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pro & contra - zivile Konfliktbearbeitung

Pazifismus = zivile Konfliktbearbeitung / ZKB

1. Die Atombombe ist in Nordkorea und Iran doch wohl in falschen Händen. Da bin ich froh, dass es die NATO gibt.
Jede Atombombe ist in falschen Händen. Es gibt den Nichtverbreitungs-Vertrag, wonach die unterschreibenden Atommächte gehalten sind, atomare Abrüstung zu betreiben. Dieser wird nichteingehalten. Da ist es nicht verwunderlich, dass Nordkorea und andere Länder sich bedroht fühlen und ebenfalls atomar aufrüsten.

2. Die Anwesenheit unseres Militärs in Afghanistan (bzw. Irak, Somalia, usw.) ist doch nur die Erfüllung unserer NATO-Verpflichtungen.
Wenn so genannte NATO-Verpflichtungen gegen das Völkerrecht verstoßen, sind sie nicht bindend. Der Jugoslawienkrieg, so wie der Einsatz in Afghanistan, sind Verstöße gegen das Völkerrecht. Und: man kann auch aus der NATO aussteigen.

3. Der klassische Krieg zwischen Staaten verwandelt sich vielerorts in Bürgerkrieg zwischen Warlords. Braucht es da nicht doch Militär zum eingreifen?
Bürgerkriege brauchen evt. internationale Polizei: UNO-Blauhelme mit UNO-Mandat.
Die Unterstützung des Westens von einigen Warlords gegen die anderen, wie sie in Afghanistan und Somalia stattfindet, ist der absolut falscheste Weg.

4. Wie vorgehen gegen Terrorismus? Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie!
Wir brauchen eine demokratische Demokratie, die sich an den eigenen Gesetzen und an dem Völkerrecht hält, und die sich friedlich weiterentwickelt. Dazu gehört vor allem auch eine friedliche Wirtschaft, die nicht kolonisiert. Eine gerechte Demokratie = eine wehrhafte.
Man kann sich auch anders als militärisch wehren!

5. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Pazifismus einen Krieg vorbeugen kann.
Auch deswegen gibt es so viele Kriege, weil in der Politik die Vorstellungskraft fehlt, während in der Wirtschaft immer wieder auf Krieg hingearbeitet wird. Vergleichen Sie doch mal die Nachkriegssituation in Deutschland nach 1918 und nach 1945. Nach 1918 herrschten Rache und Ausplünderung gegenüber dem Besiegten. Nach 1945 kam der Marshallplan, zwar nicht aus Menschlichkeit, sondern gegen die Sowjetunion; aber der Unterschied zeigt doch die bessere Lösung was Deutschland betraf. Das Beispiel Costa Rica zeigt, wie ein Land seit 1948 ohne Krieg auskommt. Man hat nicht mit Gewalt gedroht und wurde dann auch nicht bedroht. Verhinderte Kriege werden nur sichtbar durch ihr Gegenteil: gelebte Gerechtigkeit.

6. Wenn wir überall Teams für zivile Konfliktbearbeitung hinschicken sollten – was glauben Sie, was das kostet? Wollen wir die Sozialarbeiter der ganzen Welt sein?
Für das, was die Bundeswehr kostet (36 Milliarden, Stand 2016), könnten wir außer MediatorInnen auch noch ÄrztInnen, LehrerInnen, IngenieurInnen und Material überall hinschicken, und in den armen Ländern eigene ausbilden. Und die Armut im eigenen Land beseitigen.

7. Internationale Angebote um den Frieden zu bewahren werden in Krisengebieten nicht immer gerne angenommen. Sie werden oft als unerwünschte Einmischung in interne Angelegenheiten oder gar als Arroganz angesehen.
Sie sollen auch nicht einseitig aufgezwungen, sondern gemeinsam geplant werden. Und zwar rechtzeitig, bevor die Fronten verhärtet sind. Man kann niemanden zu seinem Glück zwingen - aber erst recht nicht durch Krieg oder wie es heute heißt: Humanitäre Auslandseinsätze. Das sind erst recht unerwünschte Einmischungen.